Mittwoch, 16. November 2016

Ayutthaya

Vorletztes Wochenende haben wir uns Freitagabend nach der Arbeit ins Auto gesetzt und sind spontan nach Ayutthaya gefahren. Eigentlich ist die Stadt ziemlich nahe an Bangkok, nur ca. 70 km nördlich gelegen, aber Freitagabend aus Bangkok rauszukommen ist eher eine doofe Idee, denn man steht irre lange im nicht mehr enden wollenden Stau - Merkzettel für die Zukunft: lieber samstags ganz früh raus, das ist nicht halb so nervtötend...!
Irgendwie haben wir es dann doch noch geschafft und kamen gegen 11 Uhr abends in unserem Guesthouse an, wo uns zwar gesagt wurde, dass die Küche schon geschlossen sei, aber wir bekamen trotzdem einen frischen Salat und ein paar Käsesandwiches serviert. Das Baan Thai House war eine Empfehlung eines Arbeitskollegen von Christian und entpuppte sich als eine sehr nette und idyllisch gelegene Anlage etwas außerhalb des historischen Zentrums.
Blick aus unserem Zimmer

Kanonenkugelbaum neben unserem Frühstückstisch

Gleich nach einem schnellen Frühstück ging es mit dem Tuktuk in die historische Altstadt. Ayutthaya war vor Bangkok der Regierungs- und Königssitz Siams (1351 bis 1767) und wurde im siamesisch-birmanischen Krieg fast vollständig zerstört. Die heute noch existierenden Ruinen wurden 1991 auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen und sind über die gesamte Fläche der Innenstadt verteilt.

Es lohnt sich also sehr, sich ein Fahrrad oder einen Motorroller auszuleihen, um die zum Teil weit voneinander entfernten Tempelfragmente zu besichtigen.
Am Wat Maha That angekommen, ging unsere Erkundungstour los. Alle Eintritte waren an diesem Wochenende umsonst, vermutlich, da sich das Volk immer noch in der Trauerzeit um den König befindet. Ansonsten zahlt man laut Lonely Planet bis immer so um die 40-60 Baht pro Tempelanlage.
Wilde Fahrt im Tuktuk.

Hier befindet sich auch der schon längst von Postern und Postkarten bekannte eingewachsene Buddhakopf, um den sich interessante Geschichten ranken. Die Burmesen waren während des Krieges sehr darauf bedacht, möglichst alles zu zerstören und nieder zu brennen; die heute noch existierenden Buddhaskulpturen sind meist kopflos und nur fragmentarisch erhalten. Einige Köpfe tauchen wohl heute immer mal wieder in Museen oder Sammlungen auf, da schon früh mit ihnen Handel getrieben wurde. Zu diesem Kopf nun heißt es mitunter, Diebe hätten ihn unter einem Banyan-Baum versteckt, da sie ihn nicht über die Tempelmauern hieven konnten. Er wurde dort, gut geschützt, vergessen, vom Baum umwachsen und ist heute auch wieder inbegriffen der Panta rhei Theorie.

Trotz vieler Besucher strömt Wat Maha That eine angenehme Ruhe aus.



Vom Wat Maha That schwer beeindruckt, liehen wir uns einen Roller und sausten kreuz und quer durch die Stadt.


Steinerne Löwen bei Wat Thammikarat



Und ganz viele bunte Plastikhähne.


Jeder Kreisverkehr und jeder Eckpfeiler der heute über 50.000 Einwohner umfassenden Großstadt stammt aus alten Zeiten, Teile der Tempelanlagen können bis ins 14. Jahrhundert zurückdatiert werden. Alten Reiseberichten zufolgen, waren europäische Handelsdelegierte zutiefst beeindruckt von der turbulenten, glitzernden Metropole, die sie hier im 17. und 18. Jahrhundert antrafen, und die wohl größer als London gewesen sein soll.

Wat Phra Si Sanphet war zu Zeiten Ayutthayas der Sitz der Könige:
Wat Phra Si Sanphet mit den drei großen, noch heute erhaltenen Chedis.


Die Chedis sehen aus wie Glocken.

So verwittert wie dieses Schild sind auch die alten Steine der Anlage.


Die drei Chedis in voller Größe und wir daneben, um die Dimensionen zu verdeutlichen.
Hier in diesem Tempel befand sich ursprünglich ein riesiger goldener Buddha, der um 1500 herum gefertigt wurde. Nach dem Fall der Hauptstadt wurde die 160 kg schwere Goldschicht von den Burmesen eingeschmolzen und mitgenommen.

Wihan Phra Mongkhon Bopit, die große Versammlungshalle mit einem 12 Meter hohen Buddha, konnten wir aufgrund der Bauarbeiten leider nicht besichtigen.
Dafür bestaunten wir die vielen Bauarbeiter, die ohne Sicherung auf dem Dachgerüst umherwuselten.

Zur Mittagszeit wurde es wahnsinnig heiß und wir verkrochen uns auf die schattige Veranda des kleinen Lokals Malakor, wo wir es uns bei frisch gepressten Säften und leckerem Essen gutgehen ließen.
Gestärkt ging es weiter, diesmal verließen wir die inselähnlich angelegte Innenstadt, um den am Ufer des Chao Phraya gelegenen Wat Chaiwattanaram aus der Mitte des 17. Jahrhunderts zu besuchen.
Unser Weg führt an einem grünen Park vorbei.

Blick vom Parkplatz auf den von vier Chedis umsäumten Prang (so heißt der zapfenförmige Tempelturm in der Mitte).

Man darf nur dann die Chedis und Prangs besteigen, wenn dies ausdrücklich erlaubt ist. Steine sollte man an Ort und Stelle liegen lassen und nicht mitnehmen oder umschichten - kein Witz, ist wohl alles schon vorgekommen.

Ein paar der kaum noch erkennbaren Reliefs, die Szenen aus dem Leben Buddhas zeigen.



120 sitzende Buddhaskulpturen befinden sich bei Wat Chaiwattanaram.


Turteltauben.


Keine Ahnung warum, aber dieser Buddha erinnert mich sehr an einen ägyptischen Pharao.


Blick von der Tempelanlage auf den Fluss.



Von hier aus war es nicht mehr weit zur katholischen Josephskirche, die Ende des 17. Jahrhunderts nahe ans schon seit längerem bestehende Portugiesische Viertel gebaut wurde (Ayutthaya war schon damals voller Expats und Portugiesen, Chinesen, Holländer und Muslime mischten sich unter die bunte siamesische Bevölkerung).
Als wir die Kirche erreichten, kam auch schon gerade wie auf Kommando ein thailändisch christliches Brautpaar herausgetreten.
Hier fliegt der Brautstrauß.



Hinter der Kirche hat uns leider zum ersten Mal unser Motorroller tüchtig erschreckt, der partout nicht mehr anspringen wollte, aber Christian hat ihn dann doch mit gutem Zureden wieder zum Laufen gebracht, und wir konnten wieder Richtung Wat Ratchaburana düsen.
Immer am Flussufer entlang.

Schöne Stimmung im Park.
Prang und Chedis mit total kitschigem Sonnenuntergang.



Unter der Tempelanlage kann man in die Krypta hinabsteigen, in der noch einige Freskenfragmente der Zeit getrotzt haben. 

Herbststimmung in Ayutthaya.




Blick auf die dachlose Tempelhalle.

Interessantes Projekt - da wünschte man sich, man sei Archäologe oder Restaurator.
Erschöpft gaben wir unser Moped wieder ab und nahmen ein Taxi zu unserer Unterkunft, wo wir mit einem frisch zubereiteten Abendessen verwöhnt wurden. Am nächsten Morgen zogen wir mit unserem Gepäck im Kofferraum erneut los, diesmal aber mit dem eigenen Auto, um noch ein paar schönen historische Stätten zu besuchen, ehe wir uns wieder auf den Weg ins verrückte Bangkok machen sollten.
Wir konnten neben dem Wat Lokkayasutha parken, wo noch heute der 42 Meter lange Buddha Phra Buddha Sai Yat liegt, dessen Haupt auf eine große Lotusblüte gebettet ist.




Auf Empfehlung unseres Pensionsvaters suchten wir danach noch die Straße mit den unzähligen Roti Sai Mai-Ständen auf, um diese islamisch-inspirierte Spezialität aus Ayutthaya zu kosten. Kleine crepes-ähnliche Pfannkuchen werden auf heißen Platten ausgebacken und mit buntgefärbter Zuckerwatte gefüllt - klingt pappsüß, ist es auch, aber auch verdammt lecker!


Das ist pflanzlich eingefärbte Palmzuckerwatte, die in die Pfannkuchen eingewickelt wird.
Zu guter Letzt kamen wir dann auch noch am Pflanzenmarkt vorbei, wo wir uns ein paar "Mitbewohner" für unsere Bangkoker Wohnungen eingepackt haben - sehr zur Erheiterung unserer Pförtner und Rezeptionisten, die es ziemlich witzig fanden, dass wir Pflanzen, Erde und Töpfe aus Ayutthaya mitbringen und nicht im hiesigen Baumarkt einkaufen!

Kurzer Kaffeestopp mit schöner Aussicht.


Unsere neue Orchidee.


Zum ersten Mal habe ich den Eindruck, meine Thaistunden rentieren sich, denn als ich mit den Pflanzenhändlern auf Thai zu handeln beginne, lachen alle vergnügt, schauen mich freundlich an und gewähren mir meinen tapfer erbetenen Rabatt. Ich glaube, Thais wissen es zu schätzen, wenn man (wenn auch nur radebrecherisch) zumindest ansatzweise versucht, sich ein paar Brocken der Sprache anzueignen.