Endlich ist Christian wieder in Bangkok nach all der Dienstreiserei und wir konnten wieder ein bisschen Sightseeing zusammen machen. Prachoom, mein Lehrer, Freund und privater Tourguide, wollte mit uns sehr gerne einen Spaziergang durch Rattanakosin, dem historischen Zentrum der 1782 gegründeten Hauptstadt Siams, machen, also trafen wir uns Samstagmorgen am Fluss, um mit einem Schiffsbus auf dem Chao Phraya Richtung Rama-VIII.-Brücke zu fahren und von dort zu Fuß weiter zu kommen, da die Innenstadt aufgrund der Trauerperiode immer noch für Autos und Busse gesperrt ist.
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| Die 2002 eröffnete Rama-VIII.-Brücke, |
Von unserem wackeligen Pier ging es weiter, vorbei am Phra-Sumen-Fort zum Wat Bowonniwet Wihan. Dieser sehr schöne Tempel aus dem frühen 19. Jahrhundert war der Ort, in dem der verstorbene König Bhumipol in den 1950er Jahren seine zweiwöchige Zeit als buddhistischer Mönch absolviert hatte. Im Tempel selbst befindet sich eine alte Buddhaskulptur aus der Sukhothai-Ära von 1357. Nett ist, dass der Tempel nicht sehr touristisch überlaufen ist und man in Ruhe die Stimmung und die schönen Wandmalereien in sich aufsaugen kann. Da dies ein Königlicher Tempel Erster Klasse ist, muss man ordentlich angezogen sein (bedeckte Schultern, lange Hose), sonst zieht man den Ärger der Mönche und der anderen Besucher auf sich.
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| Das Fort (einer von ehemals 14 Wachtürmen) mit Überresten der Stadtmauer von 1783. |
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| Hier seht Ihr den Durchschnitt der alten Ziegelmauer. |
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| Aufgang zum "Königlichen Tempel Erster Klasse". |
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| Geschmückte Wächterwesen. |
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| Gedenken an den König. |
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| Phra Phuttha Chinasi, die alte Buddhaskultpur aus der Sukhothai-Zeit. |
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| Schule und Mönchsunterkünfte neben dem Tempel. |
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| Darauf achten, dass Eure Füße niemals Richtung Buddha zeigen, immer schön nach hinten zur Seite weglegen! |
Von hier aus gingen wir weiter zum Democracy Monument, das mitten auf einem riesengroßen Kreisverkehr steht. Es wurde 1939 zum Andenken an die Siamesische Revolution sieben Jahre zuvor errichtet und ist heute der Ort, an dem seit den 70ern alle Massendemonstrationen stattfinden (von denen manche ja auch schon zum Regierungsputsch geführt haben). Bei unserem Besuch allerdings war von Massen nichts zu sehen, die breite und etwas größenwahnsinnig anmutende Prachtstraße war aufgrund der Straßensperre bis auf Motorroller und Krankenwagen leer und wir konnten uns nur anhand von Bildern und Dokumentationsfotos verstellen, wie hier der "normale" Verkehr aussieht und wie viele Menschen bei den Demos hier hin passen.
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| Das Demokratiedenkmal mit seinen vier 24 m hohen Flügeln. |
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| Gähnende Leere auf der sonst dicht befahrenen Straße. |
In einer Nebenstraße angekommen, sahen wir auf einmal irre viele Motorroller und Menschen herumwuseln. Sogleich kam ein Journalist auf uns zu, hielt Christian ein Mikrofon ins Gesicht und befragte und zu unserer Meinung hierzu. Wie sich herausstellte hatten sich nämlich sämtliche Motorradtaxis hier versammelt, um gratis Menschen zum Sanam Luang / Königspalast zu fahren, um dort (wie letzte Woche beschrieben) um den verstorbenen König zu trauern und ihm Ehre zu erweisen. Und Mitbürger gratis dorthin zu fahren, ist gut fürs Karma.
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| Ansammlung der Motorradtaxis. |
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| Alle haben einen weißen Zettel auf den Lenker geklebt, auf dem steht, dass sie einen umsonst zum Royal Palace fahren. |
Wir überquerten den Maha Nak Khlong und kamen in eine kleine Straße unterhalb des Goldenen Berges, in der noch heute die Holzverarbeitungsindustrie ansässig ist, da die großen Teakbaumstämme hier leicht auf dem Wasserweg angeliefert und weiter verarbeitet werden können. Einige Maschinen in den garagenartigen Werkstätten sahen ziemlich antik aus, scheinen aber recht gut zu funktionieren und seit letztem Wochenende liebäugeln wir tatsächlich mit der Idee, uns ein thailändisches Gartentor nach München mitzunehmen ;)
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| Warum die Brücke italienische Architekturelemente aufweist, konnte ich noch nicht herausfinden. |
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| Blick in den Workshop, wo es unheimlich gut nach Sägespänen herausduftete. |
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| Ein Schreiner reiht sich an den nächsten. |
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| Total einbruchsicher. |
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| Lustige und museal aussehende Maschinen. |
Nach einem sehr leckeren Mittagessen und einem Ausflug zur bislang abenteuerlichsten Toilette mitten im Wohnhaus der uns bekochenden Familie, machten wir uns an den Aufstieg zum Wat Saket auf dem Goldenen Berg, einem künstlich aufgeschüttetem Hügel inmitten des Viertels. Der Berg soll an den Weltenberg Meru aus der buddhistischen Kosmogonie erinnern.
Der Anfang der über 300 Stufen wird angenehmerweise mit Wassernebel besprüht, um die Hitze und die körperliche Anstrengung zu mildern. Hört leider nach den ersten paar Metern schon wieder auf, aber je höher man den knapp 80-Meter-Hügel erklimmt, desto mehr frischer Wind weht einem (wenn auch nicht wirklich kühlend) um die Nase.
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| Am unteren Teil ist der Goldene Berg mit allerlei Statuen dekoriert. |
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| Buddhastatuen und Heilige, Blumen und Pflanzen, künstliche Wasserfälle und Luftwurzeln sorgen für eine hübsche Stimmung. |
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| Die Frau mit dem langen Haar ist eine Flussgöttin. Warum sie inmitten von Plastikflamingos steht? Weil hier alles sein darf, wie es gefällt. Und wenn man Plastikflamingos schön findet, dann darf man damit auch den Goldenen Berg schmücken. |
Oben auf dem Gipfel des Berges ist Wat Saket, ein Königlicher Tempel Zweiter Klasse, dessen wichtigster Teil der goldene Chedi ist. Der heutige Tempel und der Berg sind nicht besonders alt, allerdings wurden sie auf den Ruinen älter Tempel gebaut, die schon vor der Bangkok-Zeit auf dieser Seite des Flusses standen und nach und nach aufgrund des weichen Bodens in sich kollabierten.
Beim Erklimmen der Stufen kommt man an allerlei Glocken und Gongs vorbei, die man bitte läuten und ertönen lassen soll, damit die Götter hören, dass man sich auf den Weg in ihre Richtung macht. So eine Art Türglockenfrühwarnsystem, man möchte ja nicht unangekündigt mitten im göttlichen Wohnzimmer stehen.
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| Aufgereihte Glocken von ganz groß bis ganz klein. |
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| Bitte laut läuten. |
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| Christian haut den dicken Gong. |
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| Oben angekommen hängt ein sehr hübscher Gong - und die Zugangsdaten zum Free Wifi! |
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| Blumentöpfe mit Lotus säumen die Treppen, zur Freude sämtlicher Bienen. Muss unbedingt mal ausprobieren, wie Lotushonig schmeckt. |
Ganz oben wird man mit einem wunderbaren Rundblick über die Metropole belohnt, immer den großen vergoldeten Chedi im Rücken, der von geschmückten Wächtern eingefasst wird.
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| Die Spitze des Chedis. |
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| Panorama über die Stadt. |
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| Die Häuser mit den roten Dächern sind die Mönchsunterkünfte. |
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| Zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse. |
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| Mit Prachoom. |
Da der Berg früher außerhalb der Stadtmauern lag, wurde er zu Zeiten von Pest und Cholera Anfang des 19. Jhdts. als Grabhügel und der Tempel als Krematorium verwendet.Viele ärmere Leute konnten sich keine Einäscherung leisten, oder die Anzahl der Toten war zu groß, um sie schnell genug zu verbrennen, also gab es wohl eine Menge Geier und Straßenhunde, die vom Geruch angelockt den Berg bevölkerten, was wiederum in diesem makaberen Denkmal gezeigt wird:
Gruselige Vorstellung... und in der Hitze muss der Berg wohl auch echt nicht gut gerochen haben...
Während unseres Abstiegs hörten wir immer wieder Hähne schreien und dann bekamen wir sie auch endlich zu Gesicht in ihren kleinen und sehr typischen Hühnerkäfigen aus Holz.
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| Kampfhähne oder Einlage für die nächste Tom Kha Gai? Konnten wir nicht herausfinden. |
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| Eigentlich sind die Hühnerkäfige ganz hübsch und könnten sich in einem großen Garten gut als Dekoelement machen. |
Nun wollten wir zur Giant Swing, der Großen Schaukel aus Teakholz, 1784 zum Wohle der Stadt errichtet, und früher zu brahmanisch-hinduistischen Feierlichkeiten genutzt. Wegen der vielen Todesfälle nach Stürzen von der 30 m hohen Schaukel, werden seit Mitte der 1930er Jahren keine Schaukel-Zeremonien mehr abgehalten.
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| In den Seitenstraßen durften Taxis und Tuktuks fahren, im Hintergrund ältere zweistöckige Wohnhäuser - starker Kontrast zu Bangkoks Faible für Wolkenkratzer. |
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| Erster Blick auf die Giant Swing (Sao Ching Cha), links davon Wat Suthat, rechts der Dhevasathan-Schrein der Brahmanen. |
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| Spiegelbild-Selfie. |
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| Und weil die Straßen so unglaublich leer sind, gleich noch ein Bild. |
Für Christian und mich kostete der Eintritt zum Wat Suthat, dem großen Tempel neben der Schaukel, je 20 Baht, Prachoom durfte als Thai gratis rein. Der Tempel wurde im frisch gegründeten Bangkok von Rama I. errichtet und beherbergt eine alte Buddhaskulptur aus Sukhothai.
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| Lageplan der 40 ha großen Tempelanlage. |
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| Das Ticket-Office für die Foreigners. |
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| An den Haaren ziehen ist nicht nett. |
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| Die wunderschön ausgemalte Ordinationshalle. |
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| Die Wandmalereien zeigen prächtig und detailreich Geschichten aus der thailändischen Folklore. |
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| Blumengaben und Getränke für die Götter. |
Da die Königsfamilie am Tag unseres Ausfluges auch in der Stadt unterwegs war und einige Straßen auf dem Weg zum Königspalast von ihr genutzt werden sollten, wurden in Cafés und Hotels Hinweisschilder mit Verhaltensaufforderungen angebracht. Dieses habe ich im
Baan Dinso fotografiert, wo wir uns einen Eiskaffee gegönnt haben:
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| Man sollte demnach nicht die Vorhänge der Zimmer öffnen, die königliche Kolonne nicht anstarren oder gar Fotos machen und wenn man es nicht rechtzeitig in sein Zimmer geschafft hat, bevor die Autos hier vorbeifuhren, wurde empfohlen, sich auf den Boden zu setzen und den Blick zu senken, damit man auf keinen Fall mit dem thailändischen Gesetz in Konflikt gerät. |
Auf dem Weg zurück zum Fluss kamen wir noch zur berühmt-berüchtigten Khao San Road, die nachmittags nicht halb so berüchtigt wirkt, wie ihr Ruf unterstellt.
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| Hostels, Backpacker, Street food, Bars, Massagesalons, Kneipen und verwirrte Touristen bestimmen das Straßenbild. |
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| Wichtig: je größer und bunter das Aushängeschild, desto sichtbarer für potentielle Kunden. |
In der Zeit der Trauer um den verstorbenen König sind auch die Straßenhändler darum bemüht, möglichst nur schwarze Kleidung anzubieten - selbst wenn es sich um Herrensandalen aus Kunststoff handelt:
Zum Abschluss eines meiner Lieblingsbilder - ein Straßenfeger hat seinen Besen gut angekettet und vor Diebstahl geschützt:
Voll mit diesen Impressionen von Bangkok schipperten wir wieder in unser Viertel, gerade noch rechtzeitig vor dem allabendlichen Regenguss.
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