Donnerstag, 20. Oktober 2016

Radtour durch Bangkoks "Grüne Lunge"

Letztes Wochenende hatte unsere Expat-Freundin Katja eine tolle Idee: Sie schlug vor, gemeinsam mit ihrer Tochter eine Radtour durch das Viertel Phra Pradaeng zu unternehmen. Es liegt auf einer Art Halbinsel, der Bang Kachao, in einer Flussschleife des Chao Phraya Rivers südlich von Bangkok, gehört verwaltungstechnisch aber wohl schon zur Nachbarprovinz Samut Prakan, und ist glücklicherweise nicht industrialisiert. Alles ist grün und die Vegetation ist unglaublich artenreich. Wenn man nicht in der Ferne die Hochhäuser der Bangkoker Skyline sehen würde, könnte man glatt vergessen, dass die Megametropole nur einen Katzensprung entfernt auf der anderen Seite des Flusses liegt.
Deutlich hebt sich die grüne Halbinsel von Bangkoks Graubraun ab.

Mit einem Taxi fuhren wir gemeinsam zum circa 30 Minuten entfernten Fährhafen neben der Tempelanlage Wat Bang Na Nok, wo wir uns erstmal mit gegrillten Bananen in süßer Kokossoße für die anstehende Überfahrt stärken mussten.

Ohne die Soße schmeckten die Bananen nur halb so gut - merke: nächstes Mal mehr davon!
Auf der Fähre, die nur zwei Baht pro Person (umgerechnet 5 Cent) kostete, waren fast mehr Motorroller als Menschen, daher war es leicht, einen Sitzplatz zu ergattern.

Schlange am Pier kurz vorm Einsteigen.

Die Rettungsringe sind alle noch original eingeschweißt... hoffentlich sind sie nicht so häufig in Gebrauch.

Nach kurzer Überfahrt kamen wir auf Bang Kachao an - und die Hektik der Großstadt war wie weggeblasen. Keine Wolkenkratzer, nur Bungalows, irre viele Straßenhunde, spielende Kinder auf den Straßen, Obstverkäufer und ein dicker Tempel, dessen Buddha zur Begrüßung milde zu uns herab lächelte.
Beim erstbesten Fahrradverleih mieteten wir uns drei Räder für je 49 Baht, uns wurden kopierte Straßenkarten der Halbinsel ausgehändigt, und los ging's.
Christians Fahrrad hatte sogar zwei Kindersitze, auch wenn wir das Gebilde am Lenker zuerst für einen ausrangierten Katzentransportkorb gehalten haben.



Die Landschaft war unglaublich schön, saftig und grün. Entgegen unserer Befürchtung war es auch gar nicht so schrecklich, bei 34 Grad zu Radeln, im Gegenteil: der Fahrtwind tat extrem gut. In unseren Pausen jedoch, wenn wir von den Rädern stiegen, lief uns allen der Schweiß den Rücken runter und kein Schattenplatz war kühl genug, um für Erfrischung zu sorgen.

Kaum zu glauben, dass man eigentlich immer noch fast in Bangkok ist.

Gut eingecremt mit Sonnenschutz und Mückenspray (wann erfindet irgendwer denn bitte mal ein Kombiprodukt? Das wäre so toll!) ließen wir unsere Räder rollen und schmunzelten über die japanischen Touristen, die zu zweit mit Sonnenschirm auf den Rädern balancierten.
Man ist tunlichst darauf bedacht, auf keinen Fall braun zu werden.

Irgendwann spürten wir erste dicke Regentropfen, doch glücklicherweise war die "Mom & Me Coffee Bar" nicht weit entfernt, wir durften unsere Räder unter der Überdachung abstellen und warteten den heftigen Schauer bei thailändischem Eistee und Cappuccino ab.
Blick aus dem Café: der Regen hört schon wieder auf.

Dieses Foto zeigt einen sogenannten "Money Tree", wie sie oftmals in Tempeln aufgestellt sind. Hier im Café wird noch gesammelt, das heißt, jeder gläubige Buddhist, der dem lokalen Tempel eine Spende zukommen lassen möchte (das ist natürlich gut fürs Kharma, denn Tham Bun gehört dazu), kann einen Geldschein in einen bunten Bambuszweig stecken und den Baum so wachsen lassen. Im Rahmen einer großen Zeremonie wird dann der Money Tree zum Tempel gebracht und den Mönchen als Spende übergeben. Die bunten und meist glitzernden Stoffstreifen und Schleifen, die an den Bambusenden angebracht sind, verweisen noch auf den Ursprung dieser Tradition: früher mussten die Mönche sich den Stoff für ihre Kleidung mühselig zusammensuchen und patchwork-artig erstellen, da sie ja nichts käuflich erwerben durften. Um ihnen die Suche nach Fetzen zu erleichtern, knoteten fromme Landbewohner und Bauern gute und unbeschädigte Stoffstücke in die Bäume, die Mönche konnten sie so viel leichter finden, besser weiterverarbeiten, aneinander nähen, einfärben und ihre Roben daraus schneidern. An diese Stoffe in den Bäumen erinnern heute eben nur noch die Schleifchen am Money Tree.


Die Café-Toilette konnte nur gebückt erreicht werden, auch die Decke war extrem niedrig.

Dafür wurde man mit einer "Toiletten-Gebrauchsanweisung" belohnt :)

Nach dem kurzen aber heftigen Schauer war die Luft noch feuchter, heißer und schwüler als davor. Also ging es mit uns wieder auf die Räder und ab zum Suan Sri Nakhon Khuenkhan Park.



Wir waren schon vorgewarnt, dass hier auch mal gerne dicke Warane über die Wege schlendern, also schauten wir uns ständig vorsichtig um, aber die meisten Tiere, die wir sahen, waren mehr oder weniger verwahrloste Straßenhunde, die träge mitten auf den Wegen dösten und nicht mal zuckten, wenn wir an ihnen vorbeirollten.
Schier endlose Holzstege führten über kleine Seen, in denen es nur so vor Fischen wimmelte, Mangroven und Nipapalmen boten Herberge für allerlei Vögel und Krabbeltiere, bunte große Schmetterlinge und Libellen flatterten aufgeregt an uns vorbei und überall blühte es in allen erdenklichen Farben.

Ziemlich rutschig nach dem Regenguss.

Wilde Mangos, die bald ins Wasser fallen, zur Freude der Fische.

Gelbblühende Sumpf-Schwertlilien.


Seht ihr die Libelle?

Ein Asiatischer Reiher, der sich gleich nach diesem Foto vor uns in Sicherheit bringt.

Nipapalmen mit Früchten

Und endlich: ein Waran, dessen wuchtiger Dinokopf auf den Rest der Körpergröße schließen lässt.
Über Stock und Stein, offroad und durch Schlammstraßen führt unsere Tour, wir werden begleitet von lauten Vögeln und platschenden Wassertieren, Eichhörnchen beäugen uns neugierig aus den Baumwipfeln. Nach dem wir den Park wieder verlassen, führt der Weg uns nach ein paar Minuten zur 2009 gegründeten Siamese Fighting Fish Gallery. Ahnungslos betreten wir einen offenen Raum, der gefüllt mit großen Marmeladengläsern zu sein scheint. Auf den zweiten Blick erkennen wir lebende Kampffische in den Gläsern, einer schöner als der andere, mit bunten Flossen und federartigen Schwänzen. Sie werden einzeln gehalten, da sie wohl so aggressiv sind und tatsächlich früher für Schaukämpfe gezüchtet wurden. Jede Familie, die was auf sich hielt, hatte eine eigene (hoffentlich siegreiche) Fischzucht. Die Vielfalt der hier ausgestellten Fische war zwar beeindruckend, dennoch denke ich, dass etwas mehr Platz sicherlich schöner für die Tiere wäre.
Alte Fahrradrikscha im Garten der Siamese Fighting Fish Gallery.



Gepflegte Gartenanlage des Punntara Botanic Home.

Man kann sich hier tatsächlich ein Zelt mieten. Es gibt sogar einen Ventilator mit dazu. Das ist auch sinnvoll, im Zelt hat es bestimmt um die 50 Grad! Infos hier: http://www.punntara.com/activities.

Schöner bunter Pegasus als Dekoelement auf der alten Rikscha.
Nach unserer Rast im Punntara Garten, zu dem die Siamesischen Kampffische und der Zeltplatz gehören, sind unsere Wasserflaschen leer und wir steuern einen Supermarkt an, die jüngste Mitreisende verlangt außerdem lautstark nach einem Eis! Vor dem Supermarkt werden wir genauso interessiert angeschaut, wie wir die Menschen selbst betrachten - noch gibt es nicht so wahnsinnig viele Touristen und Expats hier in Phra Pradaeng, die meisten Besucher sind Bangkokianer, die hier einen natürlichen und recht ursprünglichen Erholungsort gefunden haben.

Interessierte Blicke vom Opa, der auf seine Enkelin aufpassen soll, während ihr Vater im Supermarkt einkauft.

Wir im Verkehrsspiegel.
Zurück am Pier geben wir unsere Fahrräder wieder ab und bekommen je noch ein Trinkwasser geschenkt, die Fähre trägt uns zurück nach Bangkok, wo wir uns noch hungrig ein gemeinsames Abendessen schmecken lassen, bevor wir ziemlich ko von unserem "sportlichen" Tagesausflug den Heimweg antreten.

Wie ihr vielleicht bemerkt habt, sind die verlinkten thailändischen Webseiten alle in schwarzweiß gehalten. Auch unsere Kleidung und die der anderen Menschen auf den Fotos ist schwarzweiß. Grund dafür ist die Trauer um den letzte Woche verstorbenen König, dem ich allerdings gerne einen eigenen Blogartikel widmen möchte.

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