Nach dem Unterricht sind wir dann Richtung Chinatown aufgebrochen. Dort war ich vor zwei Wochen schon mal gemeinsam mit Christian, aber diesmal haben wir uns noch tiefer in die verwinkelten Gässchen und weit in die Gebäude hinein reichenden Marktstände getraut. Außerdem bin ich zum ersten Mal in Bangkok mit dem Bus gefahren, in den ich alleine nie hätte einsteigen können, da alle Haltestellen, die angefahren werden, nur auf Thai direkt auf den Bus geschrieben sind. Und ich habe ehrlich gesagt auch nicht die leiseste Ahnung, wo überall Bushaltestellen sind, denn die sind (wenn überhaupt) nur sehr unauffällig gekennzeichnet und einen festen Fahrplan gibt es irgendwie auch nicht wirklich. Man sollte vor seiner Fahrt also ziemlich genau Bescheid wissen, mit welcher Nummer man wohin möchte, und dann wartet man geduldig so lange, bis die richtige Nummer vorbeifährt. Aber von der Metro-Station Hua Lamphong waren es nur wenige Schritte und unser Bus kam auch bald.
Als wir also in die Nummer 40 einsteigen konnten, wurden wir mit einem unschlagbar guten Preis belohnt, die Fahrt kostete nämlich pro Person nur 9 Baht (umgerechnet 23 Cent), und das war auch noch der teure Bus mit "Air Condition" (kleine museumsreife Ventilatoren, die nicht besonders vertrauenswürdig an der Decke montiert sind). Die Busse ohne Ventilatoren sind noch günstiger (6,30 Baht).
Unsere ruckelige heiße Fahrt führte uns vorbei am Golden Buddha Tempel Wat Traimit, den wir bei unserem letzten Ausflug auch besucht hatten. Da die Fotos aber auf der anderen Kamera sind, müssen wir uns alle noch ein Weilchen gedulden, bis ich darüber schreiben werde.
Endlich kamen wir dann in Chinatown an und stiegen irgendwo auf der Yaowarat Road aus, wo alles noch wuseliger und hektischer und lauter und bunter zugeht, als im Sukhumvit-Viertel.
Ein Marktstand reiht sich an den nächsten, bunte Schirmchen kennzeichnen, wo die eine Bude anfängt und die andere aufhört. Schwabbelige Seegurken und nach Gummi riechende Gucci-Handtäschchen liegen neben getrockneten Pilzen und Früchten und pinkfarbenen Hello-Kitty-T-Shirts. Außerdem frage ich mich langsam, warum ich letzte Woche überhaupt irgendwas im Supermarkt gekauft habe - Besen, Tupperware, Duschgel, alles ist hier im Überfluss erhältlich und kostet ungefähr die Hälfte.
(Mobiler Besenverkäufer auf dem Markt)
Die Restaurants bieten fragwürdige Delikatessen wie Haifischflossensupe feil. Von jeder Straße gehen weitere Gassen ab und der Markt geht schier unendlich weiter. Und egal, wie winzig und schmal die Gasse zu sein scheint, es passen immer noch Motorroller, dicke Omas, Rucksacktouristen und Kinderwagen durch.
Die meisten Standbesitzer sind zwar chinesischer Abstammung, leben aber schon in 2., 3. Generation (oder noch bedeutend länger) in Bangkok und sprechen perfekt Thai. Noch bevor Bangkok zur thailändischen Hauptstadt wurde, lebten in dem heutigen Königsviertel nahe des Flusses chinesische Einwanderer. Ende des 18. Jahrhunderts dann, als König Rama I. seine neue Hauptstadt hier errichten wollte, lud er viele chinesische Gastarbeiter zum Bau ein, die ursprünglichen chinesischen Anwohner wurden kurzerhand umgesiedelt nach Yaowarat und Sampeng, die Gastarbeiter blieben und zogen auch hier hin und - tataaa - Chinatown entstand, wuchs und gedieh. Nicht ganz hundert Jahre später unter Rama III. wurde das Gesetz soweit gelockert, dass Chinesen und Thais einander heiraten durften und einige einflussreiche und wohlhabende Chinesen sogar am königlichen Hofe Ämter bekleiden konnten, die Integration ist seitdem geglückt und beide Kulturen scheinen voneinander zu profitieren.
Auf den Fotos hier oben kauft Prachoom gerade bei der niedlichsten Omi Chinatowns in Sirup eingelegte Früchte für seine über 80-jährige Schwiegermutter (ist wohl kein Lotus, aber er konnte mir nicht genau erklären, um was es sich hier handelt). Ich durfte probieren und konnte leider auch nicht herausschmecken, was ich da im Mund hatte, der Zuckersirupgeschmack hat alles andere dominiert. War aber eigentlich ziemlich lecker. Inzwischen weiß ich dank Maria B., dass es sich um die Bael-Frucht, zu deutsch auch Ma Tum oder Bengalische Quitte, handelt.
Überhaupt sind die Thais ganz verrückt nach süßen Dingen und auch wahrliche Meister in der Zubereitung der unterschiedlichsten Desserts. Prachoom führte mich ins Old Siam Plaza, in der viele Süßspeisen noch traditionell von Hand zubereitet werden.
Das hier oben sind alles sogenannte "Goldene Desserts" die früher dem Königshaus vorbehalten waren. Ihren Ursprung haben sie aber in Portugal, von wo aus die Rezepturen ab dem 16. Jahrhundert ihren Weg zu den Königen Thailands fanden. Sie werden aus einem Gemisch aus Enten- und Hühnereigelben hergestellt, in heißem Zuckerwasser gekocht und später in Jasminwasser abgekühlt und entweder frisch oder getrocknet verkauft. Die dünnen langen Engelshaare, die die Dame gerade aus dem Topf zieht, heißen Foi Thong. Die anderen Namen konnte ich mir leider nicht merken.
Bei dem folgenden Dessert sollte man als Vegetarier etwas aufpassen, denn die Crepes werden unterschiedlich süß gefüllt,und die orangefarbene Füllung besteht aus geschredderten Schrimps, die in gezuckerter Kokosmilch eingekocht wurden... Not my cup of tea!
Wieder ein anderes Dessert sind kleine Früchte, die aus gekochtem Reis und süßer Kokosmilch geformt werden und danach mit kunterbuntem essbaren Lack überzogen werden.
Da ich allerdings bei 39 Grad ungern in klebrige Süßigkeiten beiße, hielt ich mich einfach nur an meinem Cha Yen (ชาเย็น) fest: einem unglaublich leckeren und sehr erfrischenden, typisch thailändischen Eistee auf Schwarztee-Basis mit Kondensmilch und Gewürzen.
Die Heimfahrt traten wir dann tatsächlich in einem der unklimatisierten Busse an, wo ich von einer hinreißenden Seniorin angesprochen und gelobt wurde, da ich ihr meinen Sitzplatz angeboten hatte und sie meine helle Haut bewunderte. Mit meinem Lehrer/Übersetzer an der Seite war eine Kurzkonversation möglich, in der ich erfuhr, dass Rentner in Thailand unter sehr ärmlichen Verhältnissen leben, da sie vom Staat monatlich nur zwischen 500 - 700 Baht erhalten (13 - 18 EUR). Kein Wunder also, dass die meisten alten Menschen mit dem unklimatisierten Bus fahren und weit außerhalb leben müssen, denn das Leben in Bangkok ist mit unter 20 Euro im Monat schwer zu meistern.
Morgen ist hier übrigens Feiertag: Königin Sirikit feiert ihren 84. Geburtstag und da sie die Mutter der Nation ist, ist das hier gleichbedeutend mit Muttertag. Interessanterweise wird dafür alles in Hellblau dekoriert: die Muttertagsgeschenke und Blumengestecke sind hellblau, die Kuchen in den Konditoreien haben hellblauen Zuckerguss und die angemessene Kleidung für morgen ist auch hellblau.
Warum? Weil jeder Wochentag basierend auf der hinduistischen Mythologie einer Farbe zugeordnet ist. Und da Sirikit an einem Freitag geboren wurde und Hellblau die Freitagsfarbe ist, wird alles, was mit ihr oder Müttern im Allgemeinen zusammenhängt, in Hellblau präsentiert. Sehr hübsch und bunt.
König Bhumipol, der am 5. Dezember seinen 89. Geburtstag feiert (ja, genau: Vatertag!), wurde übrigens an einem Montag geboren, dem die Farbe Gelb zugeteilt ist. Daher ist Gelb auch die royale Farbe und alle Flaggen und Hinweise auf die Königsfamilie sind in Gelb. Das wird ein sonniger Dezember :)
Hey ihr zwei! Super Idee so ein Blog mit Fotos und Erlebnissen, war eine Freude das alles grad zu lesen!
AntwortenLöschenGeil die kleinen Reisfrüchtchen, sehen so abgefahren künstlich aus. Der Rest sieht sehr interessant aus. So etwas wünsche ich mir auch, aber hier sind ja alle leider mit Burgern und Döner rundum zufrieden. Da gibt es in 20 Jahren nix neues...
Die Wochentage haben bei mir auch Farben! Ist noch aus meiner Kinderzeit, da hatte die Hörzu die Tage auch farbig gestaltet: Montag war auch gelb! Freitag leider nicht himmelblau sondern lila.
Beste Grüße zu euch von Tobi aus Braunschweig