Prachoom ist wirklich unglaublich nett und höflich und sehr bemüht, all seinen internationalen Bekannten und Freunden die thailändische Kultur näher zu bringen. Also schlug er uns vergangenen Sonntag vor, gemeinsam einen Ausflug nach Amphawa zu unternehmen. Amphawa liegt ca. anderthalb Stunden von Bangkok entfernt im Südwesten.
Prachoom holte uns mit seinem Auto an der Endstation des Skytrains ab und wir fuhren los. In der Banlieue Bangkoks werden die Hochhäuser kleiner, die Straßen breiter, größere Teile des Himmels sind zu sehen und der Verkehr ist nicht mehr gar so verrückt, wie in der Megacity selbst.
Auf unserer Fahrt kamen wir wieder an unzähligen Tempeln und Supermärkten, Straßenhändlern und Kleinstädten vorbei, und klebten wie die Kinder mit unseren Nasen an der Fensterscheibe. In der Provinz Samut Sakhon hielten wir kurz an einem Raststättentempel, der uns wahnsinnig verkommerzialisiert vorkam, da man für alles einen Obolus zahlen konnte (wenn man wollte). Ich entschloss mich dazu, 20 Baht für ein dickes Grasbüschel auszugeben, um die hungrigen Tempel-Wasserbüffel zu füttern, die die Mönche vom Schlachthof freigekauft hatten, um ihnen ein Leben in Frieden zu gewähren (und vermutlich auch, um ihr eigenes Karma etwas aufzubessern).
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| Prachoom trägt übrigens stolz einen Sonnenhut, den er vor Jahren auf einem internationalen Camp mit Schweizer Pfadfindern getauscht hat. |
Der Tempel glich in der Größe einer Lagerhalle, überall blitzten bunte Lichterketten und die Spendentöpfchen klirrten und klimperten nur so.
Am besten gefielen mir die riesigen Tierskulpturen, die den Eingang flankierten.
In der Halle vor dem Tempel konnten wir den Vergoldungsprozess der Buddha-Skulpturen richtig schön mitverfolgen.
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| Einzelne Blattgold-Viereckchen kleben schon auf der schwarzen Statue, in ein paar Jahren ist sie vielleicht schon ganz gülden, je nach dem, ob man da auch mal ein Treppchen oder eine Leiter hinstellt. |
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| Fromme Buddhisten, die das Buddha-Knie bekleben. |
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| Auch unter den Buddhisten gibt es Leute mit großartigem Humor - so hat hier einer sein Goldblättchen direkt in dem Bauchnabel des dicken Buddhas platziert. (Die dicken Skulpturen sind übrigens nicht thailändisch, sondern meistens chinesisch, der typische Thai-Buddha ist von schlanker und anmutiger Gestalt) |
Auf der Weiterfahrt kamen wir an vielen Salzfarmen vorbei, wo schon seit Jahrhunderten Salz aus dem Meerwasser auf großen Feldern gefördert wird. Am Straßenrand kann man säckeweise Meersalz kaufen.
In Amphawa angekommen, parkten wir vor dem Eingang des King Phutthaloetla Naphalai Memorial Park. Hier wohnte König Rama II., der von 1809 bis 1824 König des damaligen Siams war. Der Park wird wunderschön in Schuss gehalten und manche der originalen Teak-Häuser aus der Zeit des Königs stehen renoviert und restauriert und für jedermann begehbar darin. Teak war übrigens unter anderem deshalb ein sehr beliebter Baustoff, da die Termiten und Holzwürmer das Holz nicht gerne essen und deshalb vor Fress-Vandalismus zurückschrecken. In einem der Häuser ist eine interessante Ausstellung zur Geschichte thailändischer Süßspeisen (in dem Beitrag über Chinatown hatte ich ja bereits ein paar Sätze über die süßen Desserts und deren Geschichte verloren) zu sehen, denn auf die ist die gesamte Nation (zu Recht) stolz.
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| Blick in den grünen und blühenden Park. |
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| Diese Tierfiguren sind Schaber, mit denen das Fruchtfleisch aus den Kokosnüssen gekratzt wurde, um es dann in allen erdenklichen Aggregatzuständen und Konsistenzen in süße Leckereien weiterzuverarbeiten. |
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| König Rama II. war selbst literarisch auf Zack und hat sogar ein Gedicht über thailändische Spezialitäten verfasst. Das sagt schon einiges über die Kultur und die Liebe zu gutem Essen aus, finde ich. |
Die einzelnen Räume in den anderen Holzhäusern geben Informationen über das Leben an Hofe vor 200 Jahren, über Mode, Haartracht, Freizeitbeschäftigungen, Gebete, Bildung usw. und alles ist wirklich schön und lebhaft in Szene gesetzt. Da man in Thailand allerdings immer beim Betreten eines Hauses oder Tempels die Schuhe höflichkeitshalber auszieht, hatte Christian mit seinen Schnürsenkeln ab und zu einen Tempo-Nachteil, ich dafür musste schon mal ziemlich schnell über die heißen Holzdielen in den Innenhöfen zwischen den Räumen sausen, um mir nicht die Fußsohlen zu verkohlen!
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| Diese Damen sind tapfer barfuß unterwegs, ich darf auf dem langen Gang meine Schuhe anbehalten. |
Vom Museumspark konnten wir zu Fuß zum mit Sonnenschirmen überdachten Markt von Amphawa gehen und durch eine enge und von bunten Ständen gesäumte Gasse direkt an die Waterfront gelangen, nicht, ohne unterwegs noch die eine oder andere Leckerei zu kaufen.
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| Christian kauft frische Pomelo, die trotz ihres unnachahmlichen Geschmacks hier immer mit einem Zuckertütchen zusammen verkauft wird, da die Thais Süßes wirklich sehr lieben und, wenn's irgendwie geht, alles noch ein bisschen süßer machen. |
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| Schmale Brücke über den Kanal. |
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| Hier beginnt der Floating Market. |
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| Die junge Frau malt nicht etwa auf einer Leinwand ein Kunstwerk - nein, es handelt sich um einen Windschutz, damit die Kohlen des schwimmenden Grills nicht zu schnell verglühen. Wo kämen wir denn hin, wenn es plötzlich kein Essen mehr gäbe? |
Auch auf dem Kanal geht das Markttreiben weiter und zahlreiche Bötchen schwimmen von Treppe zu Treppe, um alle möglichen Waren (hauptsächlich Essen) feil zu bieten. Nach einem feinen Mittagessen an der Spitze des Piers, bestiegen wir dann eines der Boote, die eine kleine Runde auf dem ruhigen Teil des Mae Nam Mae Klong Flusses drehen. Sonntags machen viele thailändische Familien Ausflüge und unser Longtail-Boot war gut gefüllt mit einheimischen Touristen, einem spanischen Pärchen und uns. Dafür kostete unser Ticket auch nur 50 Baht, während die
Farangs, die ein privates Boot buchen möchten, dafür auch mal gut und gerne 500 Baht zahlen.
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| Im Boot ist es hinten zwar angenehmer, da einem nicht das Wasser ins Gesicht spritzt, allerdings ist der Antriebsmotor (zu sehen hinten links im Bild, Christian ist der Meinung, das sind getunte alte Automotoren) ohrenbetäubend laut und macht eine Unterhaltung schier unmöglich. |
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| Unser Boot verfügte zwar nur über eine sehr geringe Anzahl alter Schwimmwesten, aber Rettungstrillerpfeifen gab es zuhauf. |
Die Tour führte uns aus dem Kanal raus auf den breiten Fluss und dann flussaufwärts (nicht Richtung Meer, sondern ins Landesinnere), um an fünf Tempeln anzulegen, die wir uns innerhalb von jeweils 15 Minuten anschauen konnten. Dann wurde wieder eingestiegen und weitergebraust.
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| Impressionen vom Schwimmenden Markt. |
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| Die Waterkant. |
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| Ein einsamer Fischer direkt vor dem ersten Tempelchen, das wir besichtigt haben. |
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| Die Buddha-Galerie hat uns an die in Wat Pho erinnert. Christian wollte gerne die Glocke läuten und ein lustiges Lied anstimmen. Ich konnte ihn grad noch davon abhalten. |
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| Rechts im Bild der Grund zur Annahme, dass Mönche sonntags Waschtag haben! |
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| Wandgemälde hoch oben über dem Eingang. |
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| An den vielen Armen der Skulptur im Giebel des Daches erkennt man, dass es sich um eine indische Gottheit handeln muss. |
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| Prachoom erklärte uns, dass die an der Wand befestigten Gebilde traditionelle Thai-Drachen sind. Wer mehr über die interessante Geschichte des Drachenfliegens in Thailand erfahren möchte, kann hier weiterlesen. |
Im Wasser konnten wir zwei Warane schwimmen sehen und viele kleine und größere Fische, die ab und zu vor allem in Tempelnähe auftauchen, weil sie dort gefüttert werden (gut fürs Karma). Allerdings werden an einigen Tempeln auch Babyschildkröten, Frösche, Aale und andere Fische (ja selbst Singvögel) in farbigen Plastikwannen gehalten, die man freikaufen und ins Wasser setzen kann, da das ja auch gut fürs Karma ist. Schlecht fürs Karma der Verkäufer ist nur, dass gleich an der nächsten Stromschnelle schon die Fangkörbe bereit stehen, die Tiere, die sich eben noch in Freiheit wähnten, direkt hineingespült werden, und wieder in den Plastikwannen landen, um erneut einer buddhistischen Familie ein paar Baht aus dem Portemonnaie zu locken. Ewiger Kreislauf der Geldscheffelei.
Einen freilebenden Eisvogel konnten wir dann auch noch im Dickicht der Uferböschung entdecken, sein schillerndes blaues Gefieder war leicht zu erkennen, doch fürs Foto war er dann doch zu schnell.
Der letzte Tempel, der von unserem Kapitän angesteuert wurde, war Wat Khai Bang Kung, er stammt noch aus der Ayutthaya-Periode, wo er von einer wunderschönen Prinzessin erbaut bzw. finanziert wurde und ist mittlerweile komplett von Banyanfeigen eingewachsen. Im 18. Jahrhundert fanden hier erbitterte Kämpfe zwischen Siam und Burma statt (die Burmesen hatten 1767 Ayutthaya eingenommen, doch Khai Bang Kung blieb offensichtlich in siamesischer Hand), die Marine hatte ein Nahkampfausbildungszentrum hier auf dem Tempelgelände aufgebaut. Deshalb steht heute gegenüber des Tempels ein Kriegerheldendenkmal.
Auf den ersten Blick war der Tempel gar nicht als solcher zu erkennen, da die bunten spitzen Giebelfigürchen und jeglicher äußerer Zierrat komplett überwachsen ist.
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| Die rechteckigen Fensteröffnungen verraten, dass sich hinter den Wurzeln und Ästen ein Gebäude befinden muss. |
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| Manche Fenster sind schon kaum mehr zu erkennen. |
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| Der erste Blick auf den über und über mit Blattgold beklebten Buddha. |
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| Auf einer Reise-Website habe ich den schönen Satz gelesen, dass man an diesem Ort die Lehren den Buddhismus "alles fließt" und "alles ist verbunden" sehr eindrucksvoll sehen und erleben kann. |
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| Hihi, da hat sich Prachoom auch noch ins Foto geschlichen - um so schöner, denn er ist wirklich eine Bereicherung für unser Leben hier in Thailand. |
Wir durften mit den anderen Besuchern zusammen einmal um den Buddha herumlaufen und haben dabei (in Ermangelung an Blattgold) Geldmünzen in die von der Hitze wachsweiche, zentimeterdicke Goldschicht gedrückt (gut fürs Karma!). Endlich war ich froh, dass ich trotz 38 Grad im Schatten eine lange Hose und eine Bluse mit bedeckten Schultern anhatte: in weniger züchtiger Kleidung und ohne Sarong, den ich um mich hätte schlingen können, hätte ich den Buddha nur aus der Ferne bestaunen dürfen, denn der strenge Wachmann am Eingang hat alle Touristen und die Angemessenheit ihrer Kleidung sehr genau inspiziert.
Der Rückweg führte und wieder vorbei an Pfahlbauten und Fischern, hinein in das trubelige Amphawa.
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| Blick von einer der Brücken auf den Kanal. |
Nachdem wir noch gemeinsam erfrischendes Kokoswasser vom Markt getrunken und unseren Rucksack mit Mangostinen, Longans, Karambole und Noina gefüllt hatten, stiegen wir wieder in Prachooms Auto, um im dichten Verkehr nach Hause nach Bangkok zu fahren.
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