Gemeinsam haben wir uns am Freitag mit dem Wagen seines Kollegen (vielen Dank fürs Leihen!) auf den Weg nach Koh Samed gemacht, um den Wirren Bangkoks zu entkommen und ein Inselwochenende zu genießen...
| Bei ca. 110 km/h würde ich nicht so ruhig auf der offenen Ladefläche eines Pick-ups sitzen. |
| Endlich habe ich rausgefunden, wie ich Bildunterschriften setze! |
Unterwegs erreichten uns die Nachrichten besorgter Freunde und Familienmitglieder, die von den Anschlägen in Hua Hin und Phuket gehört hatten. Inzwischen schließt die thailändische Polizei übrigens aus, dass die Bomben von muslimischen Rebellen gezündet wurden. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass es sich um einen Akt lokaler Sabotage handelt (am Geburtstag der Königin, eine knappe Woche nach der Wahl zur Legitimierung der neuen Verfassung, Rothemden), aber noch kenne ich mich zu wenig in der hiesigen politischen Szene aus, daher überlasse ich die Berichterstattung lieber den Profis der internationalen Presse.
Nur soviel: vielen Dank, dass Ihr an uns gedacht habt - uns geht es gut und wir hatten Glück, dass Koh Samed auf der anderen Seite liegt.
Unterwegs nach Ban Phe, von wo aus die Fähren und Schnellboote nach Koh Samed übersetzen, haben wir bei einer Raststätte eine lustige Entdeckung gemacht: Ronald McDonald begrüßt die Gäste seiner Schnellrestaurantkette in Thailand nicht auf die amerikanische Art und Weise, sondern mit einem höflichen, landestypischen Wai, bei dem die Hände aneinander gelegt und in Gesichtshöhe geführt werden:
Nach einer etwas über dreistündigen Autofahrt, zwei Ehrenrunden (ja, die Kopilotin war verwirrt!) und einer längeren Pause in einem Home Pro Shop, in dem wir einen Profi-Wischmop zum Schnäppchenpreis erstanden hatten (unser Haushalt wächst stetig), kamen wir endlich zum Hafen, konnten unser Auto parken und uns durch all die Essensstände und Muschelkettenverkäufer zum Speedboat Service durchschlängeln. Die 20-minütige Überfahrt war ein großer Spaß, vorbei an weiteren Fährbooten und über jede Welle preschend, dass das Wasser nur so in unsere Gesichter spritzte.
| Bunte alte Holzkähne, die zur Überfahrt genutzt werden, bis sie auseinanderfallen. |
Nachdem wir unser Hotel bezogen hatten, wanderten wir eine Bucht weiter zum Strand Ao Phutsa und gönnten uns ein "Willkommen-im-Wochenende"-Getränk.
| Unser Eimerchen Mojito |
Rasch ging die Sonne unter und zauberte eine irreal kitschige Inselromantik, die wir gebührend genossen.
| Feuershow am Strand mit Jongleuren und Feuerspuckern. |
Eingehüllt in eine Wolke Anti-Brumm besuchten wir noch eine Beachbar, um uns vom Wellenrauschen einlullen zu lassen und mit der nötigen Bettschwere den Schlaf der Gerechten zu schlafen.
Früh am Samstagmorgen ging es zu einem üppigen Frühstück mit scharfer Suppe, gebratenem Reis, frischen exotischen Früchten und in Bananenblättern gegartem Reis mit süßen Adzukibohnen. Natürlich gab es auch fast alles, was der europäische Gaumen gerne frühstückt (Crepes, French Toast, Spiegeleier), Filterkaffee und unglaublich süße Säfte.
Gut gestärkt spazierten wir los, um die "Wunderinsel" (so hieß Samed früher wohl tatsächlich) zu erkunden. Schmetterlinge, so groß wie Untertassen, flatterten uns schon an der ersten Wegbiegung tanzend entgegen.
| Der schwarze Fleck im Busch mit dem weißen Streifen unten ist so ein Schmetterling. |
Geschickt und unsagbar elegant (!!) kletterten wir mit unseren Flipflops über einige Felsen und wurden mit dem Blick auf eine abgelegene Bucht belohnt.
Am Strand Ao Nuan (inzwischen müsste mein ~Thai für Anfänger~ auch bei Euch soweit gefruchtet haben, dass der aufmerksame Leser ganz nebenbei gelernt hat, dass "koh" "Insel" heißt und "ao" das Wort für "Strand" ist. Gern geschehen!) war um diese Uhrzeit noch nichts los und wir konnten uns gemütlich in die Liegestühle sinken lassen.
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| Die rote Stecknadel zeigt unser Hotel auf Koh Samed, der blaue Punkt ist Ao Nuan. |
Das Wasser war klar und sauber und badewannenwarm und hatte eine unglaubliche Postkartenfarbe, so dass ich alte Frostbeule auch ausgiebig im Meer plantschen konnten, mit den Wellen um die Wette gehüpft bin und mich endlich auch ohne Ganzkörpergänsehaut wieder am Strand innerhalb weniger Minuten trocknen konnte. Im Schatten einiger uralter, verknotet und verflochten gewachsener Baumriesen, gab es einen zweiten Frühstückskaffee, wieder umzingelt von großen Schmetterlingen und unbekannten Singvögeln.
Zum Nachmittag liehen wir uns einen Motorroller aus, um einmal ganz in den Süden und in den Norden der kleinen Insel zu gelangen, ohne uns bei 36 Grad zu sehr in Schweiß baden zu müssen.
Der Fahrtwind tat sehr gut, wir fuhren an zwei Nationalpärkchen vorbei und gelangten zum südlichsten Strand Ao Pakarang, wo wir uns sofort in die Hängematten warfen (die bequemer aussehen, als sie in Wirklichkeit waren!).
In der Mitte der Insel stießen wir dann auf diesen Flötenspieler und seine barbusige Meerjungfrau:
Der Volkssage (von Sunthorn Phu zwischen 1821 - 1841 verfasst) nach, handelt es sich hierbei um Phra Aphai Mani, einen Königssohn, der sich zuerst mit einer See-Riesin auf eine ungleiche Liaison einlässt, später von einer Meerjungfrau gerettet wird und sich dann noch weiteren (romantischen) Abenteuern stellt, immer und überall Kinder zeugend und mit seiner Flöte wahlweise Liebe und Kriege auslösend.
Auch Christian war ganz verzaubert:
Auf unserem Weg in den nördlichen Teil der Insel kamen wir an riesigen Müllbergen vorbei, Wellblechhütten hinter bunt gestrichenen Hotels deuteten Fragmente des einheimischen Lebens an, Straßenhunde wurden scheuer und das allgegenwärtig gekochte Straßenessen begann stechender zu riechen. Am Straßenrand sahen wir ein großes Schwein (vielleicht so groß wie ein dickes Shetlandpony) sich genüsslich durch Küchenabfälle fressen, während zwei Kurven weiter eine Touristenfamilie auf dem künstlich angelegten Rasen eines Resorts beim Afternoon Tea saß. Die Gegensätze werden im Nordteil frappierender, hatten wir den Eindruck. Nicht ganz an der nördlichsten Spitze der Insel angekommen, klatschten die ersten dicken Regentropfen in unsere Gesichter. Schnell drehten wir um, da wir nicht unbedingt im starken Regen auf rutschigen, unbefestigten Straßen heimschwimmen wollten. Der Süden hatte uns ohnehin besser gefallen... Aber die See-Riesin (Ex-Freundin vom sagenhaften Flötenspieler Phra Apai Mani) konnten wir dann doch noch zu Gesicht bekommen:
An "unserem" Strand angekommen, hatte es sich so richtig gemütlich eingeregnet. Aber da Regenzeit in Thailand eigentlich was Wunderbares ist und die Regenschauer so warm sind, wie das Meer und die Luft und der Sand, und da auch nur Regen ohne Blitz und Donner vom Himmel fiel, machten wir es den anderen Inselbesuchern gleich und gingen baden. Warmes Wasser von allen Seiten, salzig und süß abwechselnd, das ist schon auch ein Erlebnis für sich!
| Tragbarer Strandgrill für das Roasted Barbecue-Chicken zwischendurch. |
Zum Abend hin hatte der Regen aufgehört, der Himmel zeigte sich klar und die Strandbars und Gay Clubs waren voller partywilliger Menschen, die entweder Pokémons fingen oder flaschenweise Chevas Regal konsumierten. Man mag es kaum glauben, aber auch Jägermeister ist auf Samed erhältlich! Wir bestaunten das bunte Treiben und die kreativen Lampenkonstruktionen aus ausgedienten Wasserkanistern respektive bunten Küchentrichtern oder anderen Vintagegegenständen, die sehr charakteristisch eine Open-Air-Bar von der nächsten unterschieden.
Das nächste Frühstück aßen wir in Begleitung einer der vielen Hotelkatzen, die so niedlich war, dass wir uns kurzzeitig überlegt hatten, ob sie wohl gerne im 32. Stockwerk eines Bangkoker Wolkenkratzers miteinziehen wolle... aber vermutlich ist sie auf der paradiesischen Insel mit Freigang um einiges glücklicher.
Umschwirrt von großen blauen Libellen, sich in der Sonne aalenden Echsen und flinken Eichhörnchen, die über uns in dem Bäumen thronten und sich ihre Nüsse und Früchte ebenfalls schmatzend schmecken ließen, verabschiedeten wir uns von der Insel und wurden von unserem Speedboat pünktlich wieder abgeholt.
| Renovierungsbedürftiger Anlagesteg, den wir glücklicherweise nicht betreten mussten. |
Auf unserer Heimfahrt konnten wir noch frische Ananas am Straßenstand kaufen
und einen künstlerisch höchst wertvoll bemalten Reisebus fotografieren:
| Ja, das rechts ist Bruce Willis. |
Daheim in Bangkok angekommen, schütteten wir erstmal eine Menge feinen weißen Sand aus unseren Sandalen. Auf der Kopfhaut ist aber trotz mehrmaligen Haarewaschens immer noch was übrig. Irgendwie auch schön!


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