Montag, 22. August 2016

Wochenbericht und viel Alltag

So viel ist letzte Woche los gewesen, dass ich gar nicht mehr zum Schreiben gekommen bin. Aber jetzt habe ich grad eine Stunde "Freizeit" bevor mein Schneider kommt (ja, das sind die luxuriösen Seiten des Expat-Lebens ;-)) und möchte ein wenig von letzter Woche berichten.

Gleich am Anfang der Woche durften wir einen kleinen Ausflug in die thailändische Bürokratie machen: unsere Visa mussten verlängert werden und Christians offizielle Work Permit wurde ihm ausgehändigt. Angenehmerweise wurden wir von Christians Arbeitgeber bzw. einem beauftragten Service-Subunternehmen gut betreut, denn so ein Amtsgang kann dann auch locker mal einen halben Tag dauern und verstehen tun wir sowieso nur Bahnhof. Als wir ankamen, waren aber unsere Nummern schon von fleißigen Helferlein gezogen worden (die sind den ganzen Tag auf dem Amt und ziehen frühmorgens die ersten Nummern für ihre Klienten, damit sich die Wartezeit verkürzt... so einen Service würde ich mir beim Münchner KVR auch mal wünschen!), eine Dreiviertelstunde später (nachdem wir ungefähr 20 verschiedene Dokumente unterschrieben hatten und furchtbare Fotos in grellem Neonlicht von uns gemacht wurden), fanden wir uns wieder auf der Straße mit der nagelneuen Arbeitserlaubnis und mehr bunten Aufklebern und Stempeln in unseren Reisepässen.
Mit der Work Permit und einem singenden Taxifahrer ging es gleich weiter zu unserem Shipper, der nämlich unsere lang ersehnte Luftfracht erst vom Zoll am Flughafen abholen konnte, nachdem wir ihm die originalen Dokumente überlassen hatten (ein bisschen fühlten wir uns wie bei Asterix und Obelix, die in dem verrückten Haus den Passierschein A 38 besorgen müssen, um ihre 12 Aufgaben zu meistern...). Anfangs wurden wir mit einer australischen Familie verwechselt, deren Umzugskisten wohl noch am Flughafen Dubai festhängen (die Armen), doch nach einem kurzen Blick in unsere Pässe war dem philippinischen zahnlosen Chef der Speditionsfirma alles klar und er versprach uns, dass unser Hausrat noch diese Woche seinen Weg zu uns finden würde.
Nachdem ich Christian wieder im Büro abgeliefert hatte, war ich so sehr in Geduld geübt, dass ich mich noch mal zu meinem Mobiltelefonanbieter wagte, dort erneut eine Nummer zog (diesmal leider ohne Nummern-zieh-Service!) und ein bisschen die thailändischen Zahlen übte, denn die werden nur auf Thai aufgerufen.
Die Wartezeit wird enorm verkürzt, da lustige Fußballspiele aus exotischen Ländern wie *Frankreich* übertragen werden.
Nun habe ich Internet und Telefon zumindest bis Ende des Jahres. Glaube ich jedenfalls... hab wieder viele Dokumente auf Thai unterschrieben!

Mit meinen Lehrer Prachoom war ich dann die nächsten Tage auch noch ein bisschen unterwegs auf dem Flower Market und bei einer Krabbeltier-Ausstellung mit Schmetterlingen, Raupen, Heuschrecken, Käfern, Spinnen und Skorpionen. Der Blumenmarkt hat mir eindeutig weniger Gänsehaut bereitet.
In den Hallen ist es ziemlich rutschig, da die Blumen permanent gewässert und besprüht werden.


Zwischen all den schönen Blumen hat sich dann auch noch ein Kunstblumenladen geschmuggelt, der trotz Plastikware gut frequentiert war.

Dank Unmengen an Jasmin duftet es überall.


Die gelben Blumen werden vor allem zu buddhistischen Gestecken, Blumenketten und Sträußen verarbeitet, die dann an Geisterhäuschen, Schreine, Buddhastatuen oder Tempelnischen gehängt werden. Manche Taxi- und Busfahrer haben sie auch vom Rückspiegel baumeln.


Prachoom kauft frischen Salat, der hier viel besser ist als im Supermarkt, sagt er.


Mit Prachoom erlebe ich ohnehin viele interessante Sachen; er führt mich in Fresstempel, in die ich mich allein schon aufgrund der Sprachbarriere nie verirren würde, und findet immer vegetarische Optionen für mich, auch wenn ich anfangs stark betonen musste, dass zerriebene Trockenfischbrösel und orangefarbene Schrimpscroutons in meiner Welt nicht als Gewürze zählen und ich das nicht gerne verzehren möchte. Hier mal eine der Speisekarten, auf der ich leider nicht mal Bahnhof verstehe:


In der Insektenausstellung bekam ich dann einen Eindruck, was in Thailands Wäldern alles haust und warum man besser festes Schuhwerk zum Spazieren anziehen sollte, denn diese riesigen Tausendfüßler beispielsweise sind giftig und nicht wirklich schreckhaft - ich würde bei einem Aufeinandertreffen im Regenwald wahrscheinlich eher weglaufen, als der 30 cm lange Herr Centipede hier!


Wollte Ihr mehr Krabbeltiere sehen? Dann sucht sie mal - Mimikry und Tarnung wird groß geschrieben:





Die ganzen Gespenstschrecken sind irre clever in ihrer Tarnung und sollte ein Vogel oder ein anderer Fressfeind sie dann doch entdeckt haben, trennen sie sich leichtfertig von ihren Gliedmaßen (ähnlich wie Eidechsen ihre Schwänze abwerfen, nur dass die Schreckenbeinchen nicht mehr nachwachsen), wie mir von den Biologiestudenten in den weißen Laborkitteln eindrücklich erklärt wurde.

Prachoom und ich im Schmetterlingszelt



Bei meinen Streifzügen durch Bangkoks Straßen, Märkte und Shopping Malls singe ich leise immer Stings "Englishman in New York" vor mich hin (~ I'm an alien, I'm a legal alien ~) und staune über die unterschiedlichsten Dinge. Geschmäcker, beispielsweise, sind ja bekanntlich sehr verschieden. Und in Asien stehen ganz viele Menschen auf ganz andere Geschmäcker und Gerüche, als wir Westerners. Allen voran Durian (aka Stinkfrucht) und Matcha (Grüntee). Beides hat zugegebenermaßen seine Reize, aber die Kombinationen sind dann doch wild:
Hab mich noch nicht getraut, Durian-Latte auszuprobieren...






Natürlich probieren wir mutig ganz viel aus, wir haben ja auch genug Immodium im Gepäck! Am Samstag waren wir in dem koreanischen Buffetrestaurant Sukishi, wo ähnlich wie beim Running Sushi Teller mit rohem Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten und Gemüse an einem vorbeifahren, die nimmt man sich dann runter und wirft alles in seine Suppe wie bei einem Fondue. Ab und zu kommt jemand und gießt aus einer verbeulten Teekanne heiße Brühe nach. Weil wir die einzigen Nicht-Asiaten waren, nahmen uns unsere Sitznachbarn sofort unter ihre Fittiche und erklärten uns fürsorglich, wie das Essen abläuft, was da an unidentifizierbaren Dingen auf den Tellerchen vorbeirauscht und wo wir uns Knoblauch und Chilli zum Nachwürzen besorgen können. Danke dafür!
Manche werfen auch rohe Eier und Käsewürfel in ihre Suppe rein

Die Suppentöpfe sind praktischerweise unterteilt, so dass Christian sich Muscheln, Fisch und Fleisch hingeben konnte, während ich mich mit Pilzen, Kürbis, Seegras und Glasnudeln vergnügte.

Unser aller Würzfreund: Sojasauce!
Letzten Freitag ist dann tatsächlich auch unsere Luftfracht zu uns geliefert worden (leider war doch kein Salatbesteck drin...!) und wir haben beim Auspacken mit großem Entsetzen festgestellt, wie viel unnötiges Zeug wir mitgenommen haben. Die zusätzlichen acht Pullover und fünf langen Hosen beispielsweise hätte man sich wirklich sparen können, die braucht man hier einfach nicht. Höchsten im Skytrain oder in der Metro, denn die Züge werden auf knackige 19 Grad runtergekühlt, der Hitzeschock, wenn man dann aus der Bahn rauskommt, ist so umso krasser und manchmal hat man das Gefühl, geradewegs in eine Wand zu laufen.
Wir werden also trotzdem wieder einiges an Kleidung mitnehmen, wenn wir im September unseren Münchenbesuch abhalten.

2 Kommentare:

  1. Ich will einen Sojasoße-Vogel! Du siehst, an einem Besuch führt kein Weg vorbei ;)

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  2. Ich auch, ich auch! Und Kitkat mit Matcha habe ich tatsächlich kürzlich irgendwo in München gesehen, werde ich mal probieren!

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